Paul Wiedmer

Der Schweizer Künstler Paul Wiedmer arbeitet über die Möglichkeiten der Synthese zwischen Erzeugnissen der Schwerindustrie ‒ Gusseisen und Stahl ‒ und dem Natürlichen, dem Pflanzlichen. Alles unterliegt dem konstanten Gesetz des Wandels, alles wird bewegt von einer tiefen Harmonie, die der Künstler durch organische Metallformen und bisweilen durch die Verwendung von Feuer und mechanischer Bewegung erforscht.

Die Ausstellung Paul Wiedmer. Eisen. Formen. Energie in der Kulturstiftung Hermann Geiger präsentiert vom 15. April bis zum 28. Mai die Reihe der Objets boudlés, bestehend aus 26 zwischen 1974 und 1976 entstandenen Arbeiten aus Schrottteilen, die mithilfe eines Metalldetektors in den einzelnen Schweizer Kantonen aufgespürt, dann ausgegraben und später entsprechend den Fundorten zusammengefügt wurden. Ergänzt wird die Ausstellung durch die Werke Lava aus dem Jahr 2015 und die Installation Stützen der Gesellschaft, die zwischen 2011 und 2016 entstanden und von Henrik Ibsens Drama Die Stützen der Gesellschaft inspiriert ist.

Ende der Sechziger- bis Anfang der Siebzigerjahre war Paul Wiedmer Gehilfe von Bernhard Luginbühl, Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle. Mit ihnen arbeitete er an der Verwirklichung vieler großer Werke wie dem Golem in Jerusalem, Chaos in Columbus, Indiana, dem Cyclop von Milly-la-Forêt, dem Crocrodrome in Paris und dem Tarot-Garten in Capalbio in der Toskana. Nachdem er in der Zwischenzeit seinen eigenen persönlichen Stil entwickelt hatte, entdeckte Wiedmer im Feuer und im Eisen die Chiffren seiner Poetik; sein gesamtes Werk erforscht die erzeugenden Kräfte der Natur, die Mechanismen des Kosmos und die Energien, die der Erde entspringen. Ab 1997 hat Paul Wiedmers Kunst ihren natürlichen Platz in Civitella d‘Agliano in der Gegen um Viterbo gefunden. Dort hat er den Künstlerpark La Serpara geschaffen. In vollkommener Harmonie mit der Natur leben hier die Arbeiten des Bildhauers und vieler anderer Künstler, die mit ihm die Feinfühligkeit teilen.

Die in der Geiger-Stiftung ausgestellten Objets boudlés sind eine 26-teilige Werkreihe, die hauptsächlich in den Jahren 1975 und 1976 entstand und in der per Assemblage Schrottteile zueinander angeordnet sind, die mithilfe eines Metalldetektors aufgespürtund in den 26 Schweizer Kantonen aus der Erde ausgegraben wurden. Tief ist der Einklang mit dem Nouveau Réalisme und der Poetik des Recyclings von Gegenständen der Industriegesellschaft, die durch Anhäufung und Zusammenfügung zweckmäßig wiederbelebt werden, denen jedoch ein konzeptueller Bestandteil beigegeben ist, der sich eher an Entwicklungen in der Kunst im zwanzigsten Jahrhundert anlehnt. So finden sich die wesentlichen Konzepte des Suchens, des Grabens und des Ausgrabens von Gegenständen, die eng mit der Erde verbunden sind, da es sich oft um Bestandteile landwirtschaftlicher Werkzeuge handelt; weiterhin präsent ist die Idee des Inventars, des systematischen Katalogisierens, wenn zum Beispiel die Fundstücke je nach Fundort zusammengefügt werden.
Fünfundzwanzig der sechsundzwanzig Werke werden nun ausgestellt. Die Skulptur, die die Reihe komplettierte, hat die verstorbene Eigentümerin in einer poetischen Rückkehr zur Erde auf ihrer letzten Reise begleitet.
Jeder Skulptur ist eine Lithografie beigegeben, die sie abbildet.

Ergänzt wird die Ausstellung schließlich durch zwei jüngere Werke. Stützen der Gesellschaft, inspiriert von Henrik Ibsens gleichnamigem Drama, ist eine Installation aus dreizehn mit glänzenden Farben überzogenen und mit angeschweißten Metallformen versehenen Baustützen; in ihnen drückt sich ein vergnügter Sinn für Spiel und Freiheit aus, der sich der bürgerlichen Falschheit und dem Mangel an Moral entgegenstellt, wie sie auch in dem Theaterstück, dem der Werkname entnommen ist, angeklagt werden. Das Werk Lava, hingegen, ist den Kräften aus der Tiefe der Erde gewidmet: Diese treten als Magma in Erscheinung, das Feuerzungen hervorschießen lässt oder zu Strömen von grauem Basalt gerinnt und durch Spiralen aus beschichtetem Stahl sowie Eisenpfeilern dargestellt wird.

Paul Wiedmer. Eisen. Formen. Energie
Vom 15. April bis zum 28. Mai 2017
Kulturstiftung Hermann Geiger 
Piazza Guerrazzi 32, Cecina (Livorno) 
Täglich von 16 bis 20 Uhr. Eintritt frei 
Eröffnung: Samstag, 15. April, 17 Uhr

Fotogalerie

Video

Katalog

Catalogo Mostra Paul Wiedmer
0
0
0
s2smodern

Newsletter abonnieren

AUSSTELLUNGEN